Aikido beim Bramfelder SV

Aikido ist eine moderne japanische Budo-Disziplin mit rein defensivem Charakter. Sie kennt keine aggressive Handlung. Die Techniken im Aikido beruhen darauf, die angreifende Kraft auszunutzen und diese auf den Angreifenden umzulenken.

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Andreas Kalbitz (Spartenleiter)

Tel.: 040 - 647 50 92

E-Mail: felix@aikido-bsv.de

 

BSV-Zentrum - Ellernreihe 88

Schule an der Seebek -Fabriciusstr. 150


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März 2016 | Vereinszeitung | Ch. Recke

Interview mit dem Cheftrainer des Aikido beim BSV
Im Gespräch mit Alfred Haase, 4. Dan Aikido

 

Alfred Haase, 4. Dan begann 1989 mit Aikido in der Hamburger Turngesellschaft Barmbek Uhlenhorst. 2002 gründete er zusammen mit seiner Frau Dagmar die Aikido-Abteilung im Bramfelder Sportverein. Als Cheftrainer hat er mit viel Engagement die Abteilung zu einer respektablen Größe im Hamburger Aikido aufgebaut. Mittlerweile kann der Verein auf 13 bestandene Meisterprüfungen seiner Mitglieder zurückblicken.

Christian | Ich freu mich, dass du dir für das Interview über dein Aikido und den BSV Zeit genommen hast. Ich möchte mit der Frage beginnen, wie bist du zum Aikido gekommen?

Alfred | Das war ein richtig langer Weg. Als Schüler wurde ich häufig von einem Mitschüler gepiesackt. Dadurch wollte ich damals schon gerne Judo erlernen. Meine Eltern konnten sich die Beiträge dafür nicht leisten. Erst als junger Erwachsener konnte ich mir das ermöglichen. Ich war kein besonders guter Judoka. Die meisten Kämpfe verlor ich deshalb. Nach zwei schweren Verletzungen musste ich mir etwas nicht so Verletzungsanfälliges suchen. Damals fiel mir ein Artikel im Wochenblatt auf. Eckhard Claaßen hatte den 4. Dan Aikido erlangt und die HTBU würde neue Mitglieder aufnehmen. Das war für mich der Schlüssel, um mit Aikido zu beginnen.

 

Christian | Erinnerst du dich an deine ersten Eindrücke, als du mit dem Aikido begonnen hast? Ab welchen Moment hat Aikido begonnen, dir Spaß zu machen?

Alfred | Es hat mir von vornherein Spaß gemacht. Zusätzlich kommt hinzu, dass diese Gruppe wirklich sehr toll gewesen ist. Es war eine sehr heterogene Gruppe. Es ging von sehr hohen Meistern bis zu ganz vielen Anfängern. Wir haben uns gemeinsam am Aikido entlang- und emporgezogen. Ich denke, das war der wichtigste Grund, dass ich dabei geblieben bin.

 

Christian | Du machst Aikido schon seit über 25 Jahren, was fesselt dich am Aikido?

Alfred | Also das Fesselndste am Aikido sind die stetig wechselnden Rollen beim Üben. Ich übernehme sowohl die Rolle des Verteidigers als auch die des Angreifers. Es ist ein stetiges Geben und Nehmen. Dadurch gibt es keine Gewinner und Verlierer. Um ein guter Judoka zu werden, fehlte mir die Grundschnelligkeit. Beim Aikido hat das zunächst keine Priorität. Heute fesselt mich, das Zentrum des Partners zu kontrollieren. Immer meine Position so zu wählen, dass ich die Möglichkeiten habe, den Partner zu kontrollieren. Ich stelle mir das fast so vor, als wenn ich mit einer sehr tollen Partnerin Tango tanze. Was ich auch besonders spannend finde, Aikido ist eine total friedfertige Kampfkunst. Wir kennen ja keine Angriffstechniken, sondern nur Verteidigungstechniken.

 

Christian | Wenn man so lange eine Kampfkunst betreibt, drängt sich mir die Frage auf, ob du nur noch Trainer bist oder nimmst du auch noch Unterricht? Was kannst du noch von anderen Meistern lernen?

Alfred | Im Aikido ist die Silbe „DO“ von sehr großer Bedeutung. Es bedeutet Weg und es ist ein Weg des Lernens, der im Aikido nicht endet. Ich kann eine Menge lernen, in dem ich unterrichte. Zusätzlich ist ein Lehrer notwendig, der von außen auf mich schaut und Fehlentwicklungen verbessert. Darum ist es für mich sehr wichtig, mich bei anderen Meistern weiter fortzubilden.

 

Christian | Was würdest du sagen, wie sich dein Aikido-Stil auszeichnet?

Alfred | Ich bin schon etwas älter und unbeweglicher. Ich habe dadurch für mich einen Aikido-Stil gesucht, bei dem ich mit wenigen Zentrumsbewegungen und mit einer sehr großen Weichheit und Durchlässigkeit den Partner kontrollieren kann. Es ist ein großer Fehler zu denken, man könnte eine Kampfkunst, wie Aikido erlernen, in dem man seine Kraft einsetzt. Mit Aikido sollte eine sehr zarte Person fast kraftlos einen großen massigen Menschen werfen können. Ein „Angreifer“ muss das Gefühl haben, ins Leere wie in Watte anzugreifen.

 

Christian | Was würdest du einem Aikido-Anfänger empfehlen?

Alfred | Sich den richtigen Lehrer suchen, üben, üben, üben und dabei bleiben. Die Idee mit dem richtigen Gefühl für das Aikido wird bei den Übenden erst nach einiger Zeit des Lernens erfahren. Zunächst werden die Wurf- und Hebeltechniken zusammen mit der Fallschule unterrichtet. Dieses erfolgt in Absprache mit einem vorgegebenen Angriff und der dazu gehörigen Technik. Das große Ziel ist aber, Angriffe zu erspüren und je nach Energiefluss mit den richtigen Bewegungen unabhängig von Techniken zu reagieren. Der Partner kommt so zu Fall oder er wird irgendwie festgelegt.

 

Christian | Gibt es Unterschiede beim Aikido von damals und von heute?

Alfred | Ich glaube nicht, dass wir große Unterschiede machen können zwischen dem Aikido von damals und heute. Wir können nur unterscheiden zwischen den Aikido Stilen unterschiedlicher Meister, welche auf Ihrem Weg einen ganz eigenen Stil gefunden haben. Eckhard Claaßen hat mich natürlich ganz besonders geprägt. Danach war mein Interesse bei den im Aikido genutzten Waffen. Ich habe mich darum dem Takemusu Aikido zugewandt. Zusätzlich fasziniert mich die Weichheit vom Großmeister Endo.

Christian | Wodurch zeichnet sich das aus?

Alfred | Meister Endo mag die Kata überhaupt nicht mehr. Kata bedeutet, das Vorgeben von irgendwelchen Techniken und Angriff en. Er „erfindet“ Techniken aus einem Gefühl heraus. Die Lehrmethoden meiner Meister waren auch sehr unterschiedlich. Bei Eckhard Claassen wurde, wie in den meisten Stilrichtungen, die Bewegungsfolge als Ganzes vorgemacht und entsprechend meiner Wahrnehmung nachgemacht. Das Lehrsystem beim Takemusu ist da anders aufgebaut. Hier werden die Techniken in viele Teilbewegungen zerlegt. Ich kann mich nach jedem Teil auf Stimmigkeit kontrollieren bzw. korrigieren. Dadurch wirken die Ausführungen etwas robotermäßig.

 

Christian | Welchen Wert misst du den Waffen bei und wie nutzt du sie in deinem Unterricht?

Alfred | Ich finde die Waffentechniken für das Verständnis von Aikido sehr wichtig. Besonders das Schwert korrigiert mich jedes Mal in meiner Hand- und Körperhaltung. Ich werde die Waffen jetzt nach der Dan-Prüfungsphase wieder stärker in meinem Unterricht einbringen.

 

Christian | Was hat dich dazu bewogen, eine eigene Aikido Gruppe zu gründen und wie bist du zum BSV gekommen?

Alfred | Wenn man ein bestimmtes Niveau erreicht hat, sollte man auch für seine eigene Entwicklung die Lehrtätigkeit suchen. Die Reflexion der Techniken, um sie jemanden beizubringen, ist ungemein wichtig auf dem Weg der eigenen Entwicklung. Aus diesem Grund war es immer auch schon mein Wunsch, mein Wissen weiter zu geben und eben mit meinen Schülern zu lernen. Beim BSV hatte die freitägliche Tanzsportgruppe aufgegeben. So sind wir in diese Trainingszeit reingerückt.

 

Christian | Kannst du uns einen kurzen Überblick zur Entwicklung des Aikido im BSV darstellen?

Alfred | Wir hatten damals die Idee, sowohl Erwachsenen als auch Kindertraining anzubieten. Dabei hatten wir Glück und begannen schon mit einigen interessierten Erwachsenen. Durch Werbung an einer Schule kam von heute auf morgen eine halbe Schulklasse hinzu. Mittlerweile sind wir zwar die zweitgrößte Gruppe in Hamburg, aber es kostet viel Mühe, dass wir das auch bleiben.


Christian | Was machst du dafür, dass es erhalten bleiben kann?
Alfred | Das funktioniert nur durch Qualität in der Lehre und natürlich Werbung, z. B einer gute Darstellung im Internet. Ich versuche auch die Ressourcen in unserer Gruppe zu nutzen.

 

Christian | Was wären die 3 wichtigsten Meilensteine, die du nennen kannst. Sicherlich als erstes der Start, was folgt dann?
Alfred | Der zweite wichtige Meilenstein war es, die Gruppe lebensfähig zu bekommen. Also lebensfähig wird man, wenn man so um die 20 Mitglieder hat. Es muss Leben auf der Matte sein, damit Interessenten bleiben. Es ist auch wichtig, dass die Gruppe sich insgesamt wohl fühlt.


Christian | Wäre nicht auch der erste selbstgezogene Schwarzgurt ein Meilenstein?
Alfred | Oh ja, das ist natürlich ein Meilenstein. Das ist wohl Andreas gewesen, mittlerweile hat er auch schon den 3. Dan und arbeitet an dem 4. Dan.

 

Christian | Also scheint die Zukunft des BSV durch die nachreifende Generation an höheren Meistern gesichert zu sein?
Alfred | Wir im BSV sind sehr gut aufgestellt, dadurch dass wir viele durch den Deutschen Sportbund lizensierte Trainer, hohe Meistergrade und viele fleißige Teilnehmer haben.

 

Christian | Welche Ziele willst du im BSV für dich noch erreichen?
Alfred | Also mein größtes Ziel ist, dass der BSV auch ohne mich zurechtkommt. Meine Frau will in naher Zukunft aufhören zu arbeiten. Danach haben wir viele Dinge gemeinsam vor, die nicht unbedingt mit dem Aikido zu tun haben. So planen wir mit unserem VW Bus quer durch Europa zu reisen.

 

Christian | Also stellst du die Zukunft des BSV sicher, indem du hohe Meister nachziehst und du die Übergabe entsprechend gestaltest, dass diese im Verein akzeptiert sind.
Alfred | Genau ich muss akzeptierte Meister großziehen. Es muss so sein, dass unsere Aikidoka unabhängig von mir, gerne zum Training kommen.


Lieber Alfred, vielen Dank für das Gespräch